Tourenblog

Blogbeitrag von Andrea Presser

Wanderung vom Hochgrat zum Mittag. Achtmal Gipfelglück mit Traumausblicken im Allgäu

Ich bin viel und gerne in den Bergen unterwegs. Manchmal steht der Fitnessfaktor im Vordergrund und ich gebe schon mal richtig Gas in Richtung Gipfel, ein anderes Mal erfordern kleinere Kletterpassagen zu höheren Gipfeln Konzentration und den nötigen Respekt. Getreu dem Motto „der Weg ist das Ziel“ war dieses Mal eine gemütliche Genusstour angesagt mit Start an der Bergstation der Hochgratbahn bis zur Zielankunft an der Mittagbahn-Bergstation. Die Sonne, die an diesem Sommertag nicht schöner hätte strahlen können, schien mir also auf meinem Marsch gen Osten den ganzen Vormittag über herrlich ins Gesicht.

Mit genügend Proviant im Rucksack – weil keine Einkehrmöglichkeit auf der Strecke - nahm ich den ersten Bus um 8.35 Uhr vom Bahnhof in Oberstaufen. (Ein Tipp: mehrmals in der Saison bringt die Hochgratbahn Frühaufsteher schon ab 4.30 Uhr zur Bergstation und man kann direkt in den Sonnenaufgang laufen – ein Traumerlebnis! Oder man übernachtet bequem auf dem Staufner Haus (DAV-Hütte) und kann so frühzeitig aufbrechen.) Mit den kleinen gelben Gondeln kam ich flott zur Bergstation auf 1.708 m Meereshöhe. Schnell ist man die gut 100 Hm auf dem Gipfel des Hochgrat (1.834 m)

 Die Gratwanderung über die Nagelfluhkette gehört zu meinen alljährlichen Lieblings-Bergtouren in meiner Heimat Oberstaufen. Die Überquerung der acht Gipfel im Naturpark Nagelfluhkette hat seine ganz eigenen Reize, egal in welche Richtung man läuft. Was mich immer fasziniert: zur einen Seite der offene Blick in das Voralpenland - vom nahen Bodensee über Oberschwaben bis weit ins Ober- und Unterallgäu. Auf der anderen Seite türmen sich unzählige Alpengipfel auf vom Altmann und Säntis in der Schweiz über die höchsten Vorarlberger und Allgäuer Gipfel bis hin zur Zugspitze. Jeder der acht Gipfel gibt einen neuen Blickwinkel frei und ich genieße diese intensiven Eindrücke jedes Mal aufs Neue. Das friedlich grasende Jungvieh auf den Alpwiesen, die Blütenpracht, die sich je nach Jahreszeit zeigt und der Duft der verschiedenen Kräuter und Pflanzen bringen mein Berglerherz zusätzlich „in Wallung“.

 

Für das ständige Auf und Ab über die rund 14 km und über 2.000 Hm braucht es schon eine gute Portion Ausdauer. Dazu ist Trittsicherheit gefragt und einige Stellen setzen auf jeden Fall Schwindelfreiheit voraus. Aber keine Angst, die wenigen leichten Kletterpassagen sind bestens mit Drahtseilen abgesichert. Und ein wenig Nervenkitzel bei den kleinen Kraxeleien geben dieser Tour einen zusätzlichen „Kick“.

Zügig lief ich über den lang gestreckten Ostgrat hinab zur Brunnenauscharte. An bunten Blumenwiesen vorbei marschierte ich bergauf über den Gelchenwanger Grat zum nächsten Ziel, dem Rindalphorn (1.821 m). Die imposante Faltung des Nagelfluhgesteins - welches im Allgäu auch als Herrgottsbeton bezeichnet wird - macht diesen Berg besonders markant und Sommer wie Winter liebe ich es, dort oben zu stehen.

So gönnte ich mir auch heute den kurzen Abstecher zum Gipfelkreuz und warf einen Blick auf die beiden Westrinnen, die mir im Winter auf Skitour schon so manchen „Freudesjuchzger“ hervorlockten. Noch einen gehörigen Schluck aus der Trinkflasche und weiter ging es den steilen Pfad hinunter zur Gündlesscharte. Hier spendeten ein paar Bäume für wenige Meter ein bisschen Schatten – mittlerweile eine willkommene Wohltat.

In der Scharte bietet sich die Möglichkeit, über die Rindalpe und weiter durch das Ehrenschwanger Tal zurück zur Talstation der Hochgratbahn zu gelangen. Mir stand allerdings zunächst der recht steile Anstieg Richtung Gündleskopf (1.748 m) bevor. Eine ausgesetzte Stelle am Grat – bestens mit Drahtseil abgesichert – sorgt für einen kleinen Adrenalinschub und dann ist man schon auf dem Gipfel des Buralpkopf (1.772 m). Mein leicht knurrender Magen forderte unnachgiebig nach der eingepackten Brotzeit. Ausgiebig ließ ich den Blick in alle Richtungen schweifen. Und wieder staunte ich, wie wunderschön und bizarr dieses Fleckchen Erde um mich herum doch einst geformt wurde.

Ein wenig Träumereien noch, dann ging es weiter. Über die „Oberen Sedererwände“ kam ich zur nächsten Scharte. Nach dem sanften Gegenanstieg durch blühende Wiesen folgte wieder ein kurzer Abstecher zum Gipfel des Sedererstuiben (1.737 m) mit Blick auf mein nächstes Ziel, dem Stuiben (1.749 m). Die Höhenunterschiede sind nun nicht mehr so gewaltig wie zu Beginn der Tour und ich gönnte mir am Gipfelkreuz noch einmal einen kurzen Aufenthalt. Vor und nach dem Stuiben bieten sich über die „Alpe Gund“ Abstiegsmöglichkeiten nach Immenstadt. Aber auch diese Abzweige ließ ich links liegen und passierte schon bald eine weitere abgesicherte Kletterpassage. Einige hundert Meter verläuft der schmale Pfad nun nordseitig des Grates. Wuchtige Konglomerat-Felsen und alte Bergfichten wechseln sich hier ab. Dem Schild Richtung „Mittag“ folgend erreichte ich als nächstes den vorletzten Gipfel, den Steineberg (1.660 m). Der frühe Nachmittag und die Nähe zur Mittagbahn machten sich jetzt bemerkbar - die Zahl der Wanderer, die entgegenkamen, nahm auffallend zu. Wie sehr hatte ich doch die hinter mir liegenden, meist einsamen Gipfelbesteigungen genossen.

Jetzt wurde es aber noch einmal spannend: über eine 17 m lange Leiter, die senkrecht nach unten führt, gelangt man zum weiteren Wegeverlauf. Wem der Einstieg zu viel Überwindung kostet, kann diese Passage problemlos umlaufen.

Es folgten ein paar Serpentinen und ein Stückchen weiter kündigte dann ein Wegweiser „Zur Mittag-Gipfelstation“ das baldige Erreichen meines Ziels an. Noch einmal eine kleine Seilhilfe und durch eine schattige Waldpassage erreichte ich nach längerem bergab eine Weggabelung, die ich in Richtung Bärenköpfle nahm. Die letzten Meter bergauf ging es noch einmal auf einem Wiesenpfad bis knapp unterhalb des Mittag (1.451 m). Ein paar Minuten später war es dann geschafft - ich erreichte mein Ziel, die Bergstation der Mittagbahn.

Selten schmeckt ein gut gekühltes Radler so lecker wie nach einer langen Bergtour. Ich genoss jeden einzelnen Schluck und genehmigte mir bequemerweise die Abfahrt mit der Sesselbahn in Tal, für die es übrigens ein Kombiticket (an beiden Bahnen erhältlich) gibt. Ein paar Meter Fußmarsch noch bis zum Immenstädter Bahnhof und mit einem der fast stündlich fahrenden Züge kam ich zurück nach Oberstaufen. Ein herrlicher Tag!

Berg heil und viel Freude auf allen Touren wünscht

Andrea Presser
Oberstaufen Tourismus

Nähere Infos zur Tour:

Unter www.oberstaufen.de – Tourensuche:
http://www.oberstaufen.de/natur/wandern/schwere-touren/nagelfluh-gratwanderung.html

Busfahrplan Oberstaufen – Hochgratbahn:
http://www.oberstaufen.de/bilder/414203.html

Übernachtungsmöglichkeiten am Hochgrat:
www.staufner-haus.de

Fahrplan Zug und Bahnbus:
www.bahn.de

Fotos: ©Andrea Presser (teils Archiv)